Andreas Robanser Andreas Robanser
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Russland erreicht bei den World Juniors nur Platz 4 und mit dem coronabedingten frühzeitigen Ende des Gagarin Cups 2020 heißt nun weiter auf neue Champions im russischen Eishockey zu warten. 

Das Jahr 2020 begann mit einer Finalniederlage des russischen U20 Nationalteams bei den World Juniors 2020 in Tschechien und danach wurden die Augen auf die KHL und die folgenden Gagarin Cup Playoffs gerichtet. Im Februar 2020 trafen sich beim All Star Game in der VTB Arena in Moskau nochmals alle KHL Stars zu einem erneut mehr als unterhaltsamen Event. So zitierte der Kanadier Darren Dietz den Schriftsteller Alexander Puschkin, Vyacheslav Gretsky agierte als Essenszusteller für weißrussische Spezialitäten an Goalie Julius Hudacek. Ak Bars Kazan Trainer Dmitri Kvartalnov überraschte dann noch als er von der Taktiktafel ein Stück abbiss. Am Ende des Spiels setzte sich die Chernyshev Division durch.
Anfang März startete die KHL mit dem Continental Cup Sieger CSKA Moskau auch noch hoffnungsvoll in die KHL Gagarin Cup Playoffs. Diese mussten nach dem Conference Viertelfinale aber Covid-19-bedingt am 25.März unterbrochen und dann auch abgesagt werden. So gab es in der Saison 2019-2020 schweren Herzens erstmals seit der Gründung 2009 keinen Gagarin Cup Champion und so mussten die russischen Eishockeyfans auf einen Titel warten. 

Sven Andrighetto. Credits: Yury Kuzmin

2020 wurde mit dem Schweizer Sven Andrighetto und dem deutschen Brooks Macek aber auch wieder Deutsch in der KHL gesprochen. Für den Schweizer war das Abenteuer KHL und Avangard Omsk nach nur einer Spielzeit noch im Sommer zu Ende. Dafür unterzeichnete mit Konstantin Komarek der dritte Österreicher in der KHL Geschichte einen Vertrag mit Dinamo Riga. Für den Wiener wurde dies aber nur ein Kurzauftritt. Trennte sich Dinamo Riga doch nach nur 15 Spielen und 6 Punkten (2+4) wieder von dem Österreicher.
Es blieb aber weiterhin bei zwei deutschsprachigen Spielern. So verpflichtete Avtomobilist neben Brooks Macek mit Verteidiger Korbinian Holzer einen weiteren deutschen Silbermedaillengewinner bei den olympischen Spielen 2018. Der NHL erfahrene Holzer kam ab Dezember dann auch erstmals für sein KHL Team zum Einsatz und bestritt bis zum Jahresende vier Spiele für Avtomobilist.

Anfang August entschied sich die KHL trotz der schwierigen Lage mit der neuen Saison zu starten. Vladivostok Admirals pausierte zwar aus finanziellen und gesundheitlichen Gründen in der Region. Doch trotz aller Corona-bedingten Widrigkeiten stellte sich der Schritt als richtig heraus und die Liga zeigte so damit auch anderen Ligen in Europa, dass eine geregelte Meisterschaft möglich wäre und ist. 

Teemu Hartikainen and Korbinian Holzer. Credits: Svetlana Sadykova

Die Coronasituation brachte aber auch eine positiven Nebeneffekt. So kamen zahlreiche Junioren zu ihren ersten KHL Einsätzen und diese enttäuschten nicht. So spielte Yaroslav Askarov im September drei Einsätze und wurde nach einem Shutout und einer Fangquote von 0,74 GAA auch zum Spieler der Woche ernannt. Rodion Amirov bei Salavat Yulaev, Marat Khusnutdinov, der gleich in seinem ersten KHL Spiel ein Tor erzielte, zeigte, dass man sich um den eigenen russischen Nachwuchs nicht wirklich Sorgen bereiten müsste.

Im letzten Drittel des Jahres 2020 machten drei große Namen des Eishockeysports auf sich aufmerksam. So konnte Metallurg Magnitogorsk Kapitän Sergei Mozyakin die 900 Punktemarke in der KHL durchbrechen und zwei Tage später absolvierte der 39-Jährige sein 800. KHL Spiel. 

Der Besuch von Jaromir Jagr krönte die Feiern von Avangard Omsk zum 70-jährigen Betstehen des Klubs und die Falken konnten am Jahresende mit der Verpflichtung von Ilya Kovalchuk erneut für Schlagzeilen sorgen.

Jaromir Jagr. Credits: Vladimir Bezzubov

Der 37-Jährige zweifache Gagarin Cup Champion konnte nach seiner Rückkehr aus der NHL dann am 30. Dezember gleich in seinem erste Spiel für Avangard Omsk einen Treffer erzielen.

World Juniors 2021

Zum Jahresabschluss schaute man dann wieder auf die World Juniors 2021, die in Edmonton Kanada erstmals ohne Zuschauer und in einer Bubble ausgetragen wurden. Nach dem Sieg im Karjala Cup startete die russische U20 Nationalmannschaft mit Zuversicht in dieses Turnier um erstmals seit 2011 wieder WM Gold holen zu können. 

Der Start gelang mit dem 5:3 Sieg über den späteren Weltmeister USA viel versprechend.

Im zweiten Spiel der Gruppenphase gab es aber bereits wie im Jahr davor einen Dämpfer. Mit 0:2 feierten die Tschechen erneut einen Sieg und ließen dabei keinen Treffer der Russen zu.
Nun stieg der Druck auf die Mannschaft von Trainer Igor Larionov und so war das Ziel gegen Aufsteiger Österreich wieder Tore zu erzielen. Dies gelang beim erwarteten 7:1 Sieg auch und nach der wohl stärksten Leistung gegen Schweden, wo es dank Marat Khusnutdinov einen 5:4 Overtime Sieg gab. So beendete die junge Spornaja den Grunddurchgang auf Platz 2 der Gruppe B.
Im Viertelfinale wartete mit Deutschland der wohl unangenehmste Gegner. Das DEB Team zeigte trotzt Corona-bedingten Startproblemen und nur 14 Feldspielern in den ersten beiden Spielen der Gruppenphase trotz des 2:13 gegen Kanada aber eine sehr gute Weltmeisterschaft.
Die Sturmlinie der Deutschen um Tim Stützle, Florian Elias und John Jason Peterka machte es den Russen dann auch alles als einfach. Durch einen Shorthander von Vasili Ponomayov im Startdrittel und Daniil Bashkirov im Mitteldrittel gelang zumindest einmal eine 2:0 Führung. In den letzten 20 Minuten kam Deutschland durch Florian Elias zurück in das Spiel und in der Folge war es Yaroslav Askarov der Schlimmeres verhindern konnte. Am Ende stand Russland dann im Halbfinale, wo es ein Wiedersehen mit dem letztjährigen Finalgegner und Weltmeister Kanada gab. Die Kanadier gingen mit einer weißen Weste in dieses Spiel und nach bereits 15 Spielminuten war klar, dass die Gastgeber diese auch nicht ausziehen würden. Führten die Spieler mit dem Ahorn auf ihren Jerseys durch Newhook, McMichael und dem Powerplay Treffer durch Perfetti nach 15 Minuten und 5 Sekunden bereits mit 3:0. Für Yaroslav Askarov zeigte sich wie bereits in Ostrava im vergangenen Jahr, dass das World Juniors für den SKA St. Petersburg Tormann einfach nicht als sein Glücksturnier bezeichnet werden kann. Konnte Askarov doch in diesem Spiel, wie auch die gesamte Mannschaft, nichts gegen die kanadische Mannschaft ausrichten, die am Ende verdient mit 5:0 in das Finale einzogen. Ein aberkanntes Tor bei 0:4 tat noch ihr Übriges dazu. Da half auch die Motivationsansprache von Kapitän Vasili Podkolzin nichts und Igor Larionov musste eingestehen, dass Kanada mit typischem soliden kanadischen Eishockey und dem Momentum zu Spielbeginn als besseres Team in das Finale einzog. So konnte der 60-jährige Igor Larionov nur noch versprechen, dass Russland zum Abschluss im Spiel um Platz 3 das beste Eishockey zeigen würde.

Dies schien auch im Spiel gegen Finnland zu funktionieren und nach 20 Minuten führte Russland durch einen Ilya Safonov Treffer verdient mit 1:0. Finnland wurde ab dem zweiten Drittel stärker und zwei sehr ähnliche Tore sorgten in der 42. Minute für den 1:2 Rückstand. Zwei Emty Net Treffer der Finnen besiegelten am Ende den 4:1 Sieg der Finnen.
Trainer Igor Larionov nach dieser Niederlage: Es ist nicht unser Stil mit fünf Mann nur zu verteidigen. Die Jungs haben alles getan, was sie konnten. Die Frage betrifft nicht mich, sondern das Team, die Nation, das Land, das Erfolg erwartet hat. Aber bei jeder Niederlage finden sie immer den Grund an den Trainern. Dies ist Teil des Trainergeschäfts. Nochmals danke an Vasily und seinen Assistenten. Für ihren Beitrag und Einfluss auf das Team, ich bin stolz auf diese Jungs. Ich wünschte ihnen allen viel Erfolg in ihren Vereinen und in ihrer Karriere.“
Damit ging Russland erstmals seit 2018 bei World Juniors wieder völlig leer aus und es heißt damit weiter warten auf einen Champion. 

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